Hellschuh

Immer wieder tauchen – vor Allem in den Erzählungen über die Schulzeit – genaue Beschreibungen der damals üblicherweise getragenen „Hellschuh“ auf. Diese Schuhe waren aus Holz gefertigt, im Hinterstädtl gab es sogar einen Hellschuhmacher.

„Mir sin sogar in die Schul gloffe mit de Hellschuh, un bei Schnee und Eis is mer dann gschliddert mit dene.“ Deutlich vor Augen ist vielen Jockgrimern noch die Hellschuh-Bank vor jedem Schulsaal im Schulhaus : „do war e Regal, siebe/acht Bredder, un do warn die Hellschuh drin gstanne. Des war für uns ideal, dann isch mer mit de Socke im Haus rum.“

Original Jockgrimer Hellschuh (Foto: Andreas Mauritz)

Damit die Füße auch warm blieben, gab es verschiedene Hellschuhsocken-Varianten: Wer Wolle hatte, konnte in festen engen Maschen Hellschuhsocken häkeln, die über die knielangen Stricksocken gezogen wurden. Sehr oft mussten aber auch Bastschuhe aus gebügelten und geflochtenen Maisblättern, den Welschkornblättern, als Innenschuhe angefertigt werden.

Dass die Hellschuh „gekleppert“ haben, ist ebenso leicht vorstellbar wie das heillose Durcheinander, welches „die Spitzbuwe agericht hen, wenn se alle Schuh durchenanner gschmisse hen. Bis dann all ihre Hellschuh wieder ghat hen, heijeijei!“ Aus diesem Grund wurde oft ein Zeichen ins Holz eingebrannt: „Än M un zwä Kreiz owwe druff, des war unser Zeiche“, erinnert sich ein Jockgrimer.

Ärger gabs daheim, wenn mal wieder „beim Rumschmeiße hinneraus e Fers ausgebroche isch“, oder wenn „se mitänanner gstritte hen und die Hellschuh änanner nochgschmisse hen, dass se in zwe Däle gange sin“, erzählte man uns über regelrechte Hellschuhschlachten. „Do hot de Vadder des mit häßem Siegellack wieder dra gebebbt, ach was hot de Vadder immer alles geflickt!“

Um die Lebensdauer der Hellschuh zu verlängern wurden zum Beispiel alte Lederhandschuhe als Sohle aufgeklebt. Auch Felle von „klene Gäße“ wurden gegerbt und zurechtgeschnitten als Sohlen benutzt, denn „Lederschuh hot ma jo nur in Kannel owwe oder in Bellem kriecht – awwer wer hot sich des schunn leischde kinne?“

Natürlich werden auch im Stück „Käpplerin un Kalkmännel“ original Jockgrimer Hellschuh getragen.

PR-Gruppe - Theaterprojekt 750 Jahre Jockgrim