Der Rote Berdel

Jedes Dorf hat seine Originale die jeder Bewohner kennt. So hatte Jockgrim das Unikum „De rode Berdel“ aufzuweisen. Ihm wird man auch im Jubiläumstheaterstück begegnen.

Der rote Berdel war ein stattlicher Mann vom mindestens 1,90 m und wegen seiner feuerroten Haare im ganzen Dorf bekannt. Er wohnte mit seiner hübschen Frau im jetzigen Zehnthaus und es wird berichtet, er sei ein Kleinkrimineller gewesen, der auch einer Schlägerei und dem Genuss von alkoholischen Getränken nicht aus dem Weg gegangen sei. Ein Bewohner Jockgrims erinnert sich. „Bei jeder Schlächerei hän se de rod Berdel grufe, weil er halt so stark war.“ Dem roten Berdel wurde immer, wenn etwas im Dorf passierte, die Schuld zugewiesen. Er hat „gebreggelt“ (gewildert) oder „geschlibbelt“ (a Schlupp gestellt = Hasen und Rehen Fallen gestellt) und sie dann seinen Freunden gebracht. Im Theaterstück „Käpplerin un Kalkmännel“ sagt der rote Berdel: „Ich hab fünf Hase gfange, die sich ganz unchristlich vor meinen Aache selbst erhängt hän. Ich hab se zum Metzger getraache un in Fläschknepp umgetauscht. Greifen zu, schnell, bevor die Metzgersfraa  ihrn Topf sucht.“ Man erinnert sich auch an diese Begebenheit: „Noch dem 1. Weltkriech hot der uff dFahn vun de Franzose druff gschi… jedenfalls is nachts der Gendarm kumme und hot den Franz verhafte welle.“

Mit der Arbeit hatte es der Rote Berdel allerdings nicht so. Schon als Bub wollte er nicht arbeiten. Man erzählt sich: „Emol als er mit de Mudder uffem Acker ebbes schaffe hot solle, hot er mol widder nit gewellt. Do hot sei Mudder gsaacht, dann lech dich wänigschdens uff DSchurz, dassen de Wind nid fortbloost.“ Seine Frau hat mal zu ihm gesagt: „Franz, jetzt geh doch ämol schaffe, mir brauchn doch Geld.“ Da hat der geantwortet: „Wenn du gewisst hosch, dass kän Mann ernähre kannsch, hesch annid heirade solle.“ Das Jockgrimer Unikum hat den Satz geprägt: "In de glänschde Wirtschaft isch es immer schäner als in de greschde Fawerik "

Weil er in den Augen der Nationalsozialisten ein arbeitsscheuer Faulenzer war musste er in den Jahren 1941/1942 in das Konzentrationslager nach Dachau. Nach seiner Rückkehr hat er nicht viel darüber geredet und nur gemeint, er habe es dort gut gehabt.  Erst nach dem Krieg hat er berichtet, „Mir hen viel Hieb griecht.“

Die Kinder hatten alle Angst vor ihm, aber „des wor e Trick vun de Eltern, die hen gsacht: Wenn du nit brav bist, dann hole mer den Rote Berdel.“ Es ist nicht bekannt, dass er Kindern jemals etwas angetan hat.

Der Rote Berdel hatte aber auch seine guten Seiten. Er hatte viele Freunde und wurde mit dem Schinderhannes verglichen. „Er hots de Reiche gnumme und de Arme gebe“ sagt man. So hat er auch in der Weihnachtszeit für die Bewohner Jockgrims gesorgt. „Der hot uns alle Johr en Christbaum gbrocht, awwer schwarz. Sache hän se nix misse. Do hot er sei Bier getrunke in de Wirtschaft beim Brauner un der Vader hot’s bezahlt. Des isch abgeloffe wie am Schnierle.“

Irgendwann, so erzählen es die Leute, ist der rote Berdel etwa im Jahre 1950 verschwunden und war dann in Herxheim im „Klösterle“. Das war ein Altenheim für die, die nichts mehr hatten. In den fünfziger Jahren ist der rote Berdel dann verstorben. Aber in der Erinnerung der Jockgrimer lebt er weiter und sorgt noch heute mit seinen Geschichten für ein Schmunzeln.

PR-Gruppe - Theaterprojekt 750 Jahre Jockgrim