Die fleißigen Hände in der Nähstube

Bereits Mitte Januar begann die Kostümgruppe in den Räumen des ehemaligen Kaufhauses Löwenmut in der Maximilianstraße mit ihrer Arbeit. Die Gemeinde hat die Räumlichkeiten eigens für das Theaterprojekt angemietet. "Dies ist ein großer Vorteil" sagen die Frauen. "Es kann alles liegen bleiben und man kann alles hängen lassen". „Das ist perfekt zum Arbeiten" bestätigen alle einstimmig.

Insgesamt arbeiten 15 Frauen in dieser Gruppe mit, die von der Kostümbildnerin Marlene Korbstein unterstützt von ihren Assistentinnen Sabine Bellaire und Ulrike Fröhlich professionell geleitet wird. Einige der Frauen nehmen sich die Arbeit mit nach Hause, die anderen treffen sich jeden Donnerstag von zehn bis fünfzehn Uhr. Zwei Frauen aus der Gruppe sind gelernte Damenschneiderinnen und damit vom Fach. Eine der Frauen ist Designerin und die anderen haben die Handarbeit als „Leidenschaft“ zu ihrem Hobby gemacht. Allesamt sind sie sehr geschickt.

Die Kostümgruppe im Theaterprojekt Käpplerin un Kalkmännel

Es wird gebügelt, Stoffe zugeschnitten, Schnittmuster übertragen, Maß genommen und genäht. Jede der Frauen weiß, was sie zu tun hat und arbeitet selbstständig. Die Leiterin steht jederzeit mit Rat und Tat als Ansprechpartnerin zur Verfügung. Es herrscht ein sehr angenehmes Arbeitsklima und ein fröhlicher, fast schon ausgelassener Umgangston. Man merkt der Gruppe an, dass sie bei ihrer Arbeit viel Spaß hat. Über Mittag wird in der Nähstube auch gemeinsam gegessen. Jede bringt etwas mit und zum Abschluss gibt es Kaffee und selbst gebackenen Kuchen.

In dem Stationentheater gibt es rund 170 Akteure mit fast 250 Rollen - und alle müssen mit Kostümen ausgestattet werden. Wie ist Marlene Korbstein mit ihrer Gruppe an diese komplexe Aufgabe herangegangen? "Zuerst wurden im Rahmen von Kleidersammlungen alte Kleider und Stoffe in der Gemeinde und Umgebung gesammelt. Einiges wurde auch dazu gekauft, zum Beispiel für die Hauptfiguren des Stationentheaters. Manche Figuren des Stücks kommen ja an verschiedenen Stationen vor. Diese benötigen dann eine einheitliche Kleidung, damit man diese wieder erkennen kann, weil sie ja von verschiedenen Personen gespielt werden," erzählt sie. Manche Kleidungsstücke sind von Bürgern nur geliehen und werden nach dem Stück wieder zurückgegeben. Jedes Stück wurde akribisch archiviert, damit es später wieder zu seinem Besitzer kommt.

"Stricken ist Yoga auf der Couch."

Zu jedem Akteur gibt es einen Spielerbogen mit Foto und Kontaktdaten. Dort sind die Maße notiert, was als Kostüm geplant ist, was zu tun ist und was bereits getan wurde. Überall im Raum sind Kleiderstangen, Regale und Stapel mit Kleidern, Mützen oder Schuhen. An jedem Stück hängt ein Zettel, darauf steht zum Beispiel „Schleife nacharbeiten". Das weiße Kleidchen wird eine der „Ehrenjungfrauen“ in dem Film tragen mit dem das Stück beginnt. Die Liebe zum Detail ist allen anzumerken und spiegelt sich in der großen Perfektion der Kleidung wieder.

Eine ältere Dame kommt in die Nähstube herein und wird von allen herzlich begrüßt. Sie holt ein Paket mit Wolle und Strickmuster ab. Daraus wird sie eine Strickjacke und einen Pullover im Stil der damaligen Zeit stricken. Die Muster hierfür wurden aus alten Handarbeitsheften entnommen. Die Leiterin fragt: "Wären Sie auch bereit noch einen kleinen Pullunder zu stricken, im Halbpatent ?" Natürlich ist sie das und nimmt ein weiteres Wollpaket mit Anleitung an sich. Auf dieses großartige Engagement angesprochen antwortet die Stickerin lachend: "Stricken ist Yoga auf der Couch." Insgesamt werden 13 Strickteile benötigt. Dabei achtet die Kostümbildnerin sehr genau darauf, dass die ausgewählten Strickmuster auch dem Stil der Zeit, in der die Szene spielt, entsprechen. Auch Wollreste hat man deshalb von überall her gesammelt, besonders solche mit altmodischen Farben.

Bis zum letzten Probentag wird an den Kostümen gearbeitet, das allermeiste aber ist bereits geschafft. An den Spiegeln hängen Zettel mit den einzelnen Stationen des Theaterstücks. „Die Schauspieler dürfen jetzt nicht mehr zunehmen, nicht abnehmen und nicht schwanger werden" sagt Marlene Korbstein lachend.

Immer wieder hört man ein helles Lachen in der Nähstube, gleichzeitig wird aber konzentriert gearbeitet, wie in einem kleinen Familienbetrieb. Warum haben die Frauen diese doch sehr aufwändige Arbeit auf sich genommen? "Ich bin von Jockgrim. Ich werde im Jubiläumsjahr 50 Jahre alt. Jockgrim wird 750 Jahre alt. Ich bin gerne aktiv und deshalb bin ich dabei." Eine andere sagt: „Ich könnte mir auch vorstellen, danach wieder etwas zusammen mit der Gruppe zu machen." Und eine dritte ergänzt: "Es sind viele neue Freundschaften entstanden und es macht einfach sehr viel Spaß."

Die Kostümgruppe
Leitung: Marlene Korbstein
Kostümassistenz:
Sabine Bellaire, Ulrike Fröhlich
Eva Bauer, Silke Bergermann, Gertrud Gläser, Renate Guttenbacher, Renate Horenburg, Ursula Keiber, Sybille Köhler, Therese Kuschka, Ingrid Menzel, Alina Iris Möhlmann, Anni Müller, Hermine Rühl, Brigitte Scharr†, Stefanie Sitter, Elke Zapf, Maria Zenner

PR-Gruppe - Theaterprojekt 750 Jahre Jockgrim